Familie Braunold; Friedrich, Gerda und Josef

Friedrich Braunold wurde am 17. August 1888 in Biblis geboren.

Gerda Braunold, geborene Klaus, am 17. April 1893 in Wertheim.

Gerda Braunold wohnte bereits von 1910 bis 1918 in Fulda und zog 1920 endgültig dorthin.

Friedrich Braunold zog 1919 nach Fulda.

Beide heirateten am 12. März 1923 und lebten von da an in der Leipzigerstraße 34.

Als ihr Sohn Josef am 9. März 1924 geboren wurde, zog die junge Familie in die Johannisstrasse 12.

Die Familie zog bald in die Löherstraße 23 und betrieb vom 13. Februar 1926 bis zur erzwungenen Schließung am 1. Januar 1939 eine landwirtschaftliche Maschinenhandlung in der Löherstraße 28. Das Lager des Geschäfts befand sich im Hof des Hauses Löherstraße 15.

Während Friedrich Braunold häufig zu den Bauern aufs Land fuhr und seine Maschinen verkaufte, führte Gerda Braunold das gut gehende Geschäft.

 Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, vor allem nach dem Boykott im April 1933, gingen die Einnahmen der Familie spürbar zurück.

Im Zuge der Reichsprogromnacht wurde auch der 50-jährige Friedrich Braunold am 10. November 1938 mit weiteren 117 männlichen Juden im Alter zwischen 16 und 60 Jahren verhaftet und ins Fuldaer Gesellenhaus gesperrt. Am nächsten Morgen wurden alle mit dem Zug nach Hanau transportiert, wo knapp 30 Personen aus Krankheits- oder Altersgründen oder aufgrund von Schwäche nach Hause entlassen wurden.

Friedrich Braunolds Weg führte weiter ins Konzentrationslager Buchenwald.

Seine Frau Gerda konnte inzwischen eine Bürgschaft ihres Bruders Philip Klaus aus den USA vorlegen, dass die Ausreise der Familie bevorstehe, sodass Friedrich Braunold nach knapp zwei Monaten aus dem Lager entlassen wurde.

Aus nicht bekannten Gründe scheiterte die Emigration.

Mit Schuljahresbeginn 1938 besuchte der 14-jährige Josef Braunold die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und wohnte in der Bibrastraße 6.  Die Pogromnacht in Würzburg führte, wie in allen Städten, zur Festnahme männlicher Juden und ihrer Deportation in Konzentrationslager. Kurze Zeit später musste die Lehrerbildungsanstalt schließen und am 10.12.1938 zog Josef zurück nach Fulda.

Die Gründe, weshalb Familie Braunold nicht in die USA flüchten konnte, sind unbekannt, doch früh im Jahr 1939 muss den Eltern bewusst geworden sein, dass sie alles bewerkstelligen mussten, um zumindest ihren Sohn Josef in Sicherheit zu bringen.

Den Eltern gelang es, Josef auf eine Liste der Kindertransporte nach England zu bekommen. Josef erhielt einen Reisepass, ausgestellt am 20. Juli 1939 und eine der begehrten Einreisegenehmigungen nach England.

Diese Kindertransporte gehen auf eine Initiative sowohl der britischen Regierung, als auch der britischen Bevölkerung zurück. Das britische Unterhaus beschloss am 21. November 1938 Kinder bis zum Alter von 16 Jahren einreisen zu lassen, wenn die finanzielle Absicherung durch Organisationen oder Privatpersonen gesichert ist. So gelangten bis zum Kriegsausbruch am 1. September 1939 insgesamt 9354 Kinder ins rettende England.

Josef verließ Fulda am 1. August 1939.

Ab September 1941 mussten alle Juden ab sechs Jahre den sogenannten Judenstern tragen, auch das Ehepaar Braunold.

Ende November 1941 erhielten sie die Nachricht, dass ihre Umsiedlung bevorstehe und sie sich am 7. Dezember 1941 in der Turnhalle in der Rabanusstraße einfinden müssen. Dort wurde eine erste Personen- und Gepäckkontrolle vorgenommen und nachdem die 134 Menschen die Nacht in der Turnhalle verbracht hatten, wurde sie von Bewaffneten am nächsten Tag zum Bahnhof gezwungen. Dort bestiegen sie einen Zug, der sie nach Kassel brachte, wo sie eine weitere Nacht unter unmenschlichen Bedingungen verbringen mussten.

Am 9. Dezember 1941 verließen ca. 1000 Menschen Kassel und wurden auf einer viertägigen Fahrt ins Ghetto Riga gebracht.

Gerda Braunold wurde am 1. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Stutthof verbracht, wo sie vor der Befreiung des Lagers ermordet wurde.

Friedrich Braunold starb 1942; ob an Entkräftung im Ghetto oder im nahegelegenen Lager Kaiserwald oder bei einer der zahlreichen Erschießungen, kann heute nicht mehr festgestellt werden.

Gleich nach ihrer Deportation, wurde der Besitz der Familie Braunold “verschleudert”. Zum einen wurden Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände auf, vom Finanzamt Fulda organisierten, Auktionen verkauft. Das nebenstehende Dokument, das nach dem Krieg von den US-Amerikanern erstellt wurde, nennt einige Möbel, den Verkauspreis, sowie die Namen der Käuferinnen und Käufer.

Aus einer Auflistung von 1949, angefertigt von Josef Braunold, geht hervor, dass die Familie auch Antiquitäten besaß, die bis zur Flucht des Sohnes im Besitz der Familie waren.

Diese wurde nach der Deportation vom Vonderau-Museum in Fulda “übernommen” und verblieben in dessen Besitz bis zum 6. Februar 1946, als sie der jüdischen Kultusgemeinde übergeben wurden. Anschließend überführte man sie in die Verwaltung des Dr. Burchard, Marktstraße 13 in Fulda.

Auch die Banken unterstützten das Finanzamt Fulda ohne Ausnahme. Im Schreiben vom 6. Februar 1942 informiert das Finanzamt, dass “die Jüdin Gerda Sara Braunold, bisher wohnhaft in Fulda, Löherstraße 23, in das Ausland abgeschoben” wurde. Weiter führt der Finanzbeamte aus, dass aus ihm vorliegenden Unterlagen hervorgeht, dass Gerda Braunold ein Sparbuch mit einem Guthaben über 1152,75 Reichsmark besitzt. Dieses Geld solle nebst Zinsen an die Finanzkasse Fulda überwiesen werden.

Die Dresdner Bank antwortet umgehend am 11. Februar 1942 und überweist den Betrag von 1168,81 Reichsmark an das Finanzamt.

Michael Braunold besuchte 2016 Fulda und dabei entstand am Platz der ehemaligen Synagoge dieses Foto. Er zeigt auf die Namen seiner ermordeten Großeltern, die sich an der Gedenkmauer für die von Fulda Deportierten befinden.


Vielen Dank an die Familie Braunold für die Bereitstellung der Bilder und Dokumente.

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